| Der Dieb auf dem Flügelkreuz | |
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| Ein Spitzbube wollte stehlen gehen,
und weil er wußte, daß der Müller reich war und
viel Geld im Kasten liegen hatte, so gedachte er, in die Mühle
einzubrechen. Kam also bei Nacht und Nebel mit einem dunklen Mantel
angetan zur Mühle, tappte sich zur Tür und wollte hinein.
Aber die Tür war verschlossen."Ah, Müller, bist du
schlau, bin ich noch schlauer", dachte er sich." Jetzt
steigst du durchs Dachfenster." Also machte er sich ans Klettern,
und das ging ganz gut, denn er griff sich nur zum Mühlenflügel
hinauf, und war fast schon oben; ja, er sah bereits ins Dachfenster
hinein und wähnte die blanken Silberlinge dort schon griffbereit
hingestellt. Aber o weh! Das Kreuz trug ihn nicht länger, es
fing an sich zu drehen. Und als es einmal dabei war, fand es kein
Ende mehr. Die Flügel drehten sich, und drehten sich immerfort.
Im Himmel hörte Petrus das Geklapper, und der Teufel unter
der Erde kam hervor, um zu sehen, was los sei. Petrus steckte den
Kopf aus den Wolken hervor. Beide lachten über den gefangenen
Dieb. Jedesmal, wenn der Spitzbube oben war, kniff ihn der heilige
Petrus ins Ohr, daß er quiekte, und als er unten vorüber
kam, versetzte ihm der Teufel einen Schlag, der nicht von Pappe
war. Dem Dieb war es endlich leid; er ließ los und flog im
Bogen zur Erde, scharf am Teufel vorbei. Es gelang ihm in langen
Sprüngen fortzukommen, so daß der Teufel ihn nicht auch
noch mitnehmen konnte. Stehlen wollen hat er sein ganzes Leben lang
nicht wieder.
Mühlensage, entnommen "Mühlenspuk" Verlag Moritz Schäfer, Leipzig |
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