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| Ein
Märchen nach den Gebrüdern Grimm. Bebildert mit Photos unserer Mühlenkatze
"Gustav" |
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Ein
Müller hatte drei Söhne, seine Mühle, einen Esel und einen Kater. Die Söhne
mußten mahlen, der Esel Getreide holen und Mehl forttragen und die Katze
die Mäuse wegfangen. Als der Müller starb, teilten sich die drei Söhne in die
Erbschaft. Der
älteste bekam die Mühle, der zweite den Esel,der dritte den Kater, weiter blieb
nichts für ihn übrig. Da war er traurig und sprach zu sich selbst: |
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| "Ich habe
es doch am allerschlimmsten gekriegt, mein ältester Bruder kann mahlen, mein
zweiter kann auf seinem Esel reiten, was kann ich mit dem Kater anfangen? Laß
ich mir ein Paar Pelzhandschuhe aus seinem Fell machen, so ist's vorbei.", "Hör",
fing der Kater an, der alles verstanden hatte, was er gesagt, "du brauchst mich
nicht zu töten, um ein Paar schlechte Handschuh aus meinem Pelz zu kriegen.
Laß mir nur ein Paar Stiefel machen, daß ich ausgehen kann und |
mich
unter den Leuten sehen lassen, dann soll dir bald geholfen sein." Der Müllerssohn
verwunderte sich, daß der Kater so sprach, weil aber eben der Schuster
vorbeiging, rief er ihn herein und ließ ihm ein Paar Stiefel anmessen. Als sie fertig waren, zog sie der Kater an, nahm einen Sack,
machte den Boden desselben voll Korn, oben aber eine Schnur daran, womit man
ihn zu ziehen konnte, dann warf er ihn über den Rücken und ging auf zwei
Beinen, wie ein Mensch, zur Tür hinaus. |
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Damals regierte ein König in dem Land, der aß die Rebhühner
so gern. Es war aber eine Not, daß keine zu kriegen waren. Der ganze Wald
war voll, aber sie waren so scheu, daß kein Jäger sie erreichen konnte. Das
wußte der Kater und gedachte, seine Sache besser zu machen. Als er in den
Wald kam tat er den Sack auf, breitete das Korn auseinander. |
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Die Schnur aber legte er ins Gras und leitete sie hinter eine Hecke. Da versteckte er
sich selber, schlich herum und lauerte. Die Rebhühner kamen bald gelaufen,
fanden das Korn, und eins nach dem andern hüpfte in den Sack hinein. Als eine
gute Anzahl darin war, zog der Kater den Strick zu, lief herzu und drehte
ihnen den Hals um. Dann warf er den Sack auf den Rücken und ging geradewegs
nach des Königs Schloß. Die Wache rief: "Halt ! Wohin?" "Zu dem König",
antwortete der Kater kurzweg. "Bist du toll, ein Kater zum König?" "Laß
ihn nur gehen" sagte ein anderer, "der König hat doch oft Langeweil vielleicht
macht ihm der Kater |
mit seinem Brummen und Spinnen Vergnügen." Als der Kater
vor den König kam, machte er eine Reverenz und sagte: "Mein Herr, der Graf",
dabei nannte er einen langen und vornehmen Namen, "läßt sich dem Herrn König
empfehlen und schickt ihm hier Rebhühner, die er eben in Schlingen gefangen
hat." Der König erstaunte über die schönen fetten Rebhühner, wußte sich vor
Freude nicht zu lassen und befahl, dem Kater soviel Gold aus der Schatzkammer
in den Sack zu tun, als er tragen könne. Das bring deinem Herrn und dank ihm
noch vielmals für sein Geschenk. |
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Der
arme Müllerssohn aber saß zu Hause am Fenster, stützte den Kopf auf die
Hand und dachte, daß er nun sein Letztes für die Stiefel des Katers weggegeben
und was werde ihm der groß dafür bringen können. Da trat der Kater herein, warf
den Sack vom Rücken, schnürte ihn auf und schüttete das Gold vor den Müller
hin. "Da hast du etwas für die Stiefel, der König läßt dich auch grüßen und
dir viel Dank sagen." |
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Der Müller war froh über den Reichtum, ohne daß er noch
recht begreifen konnte, wie es zugegangen war. Der Kater
aber, während er seine Stiefel auszog, erzählte ihm alles. Dann
sagte er: "Du hast zwar jetzt Geld genug, aber dabei soll es nicht bleiben.
Morgen zieh ich meine Stiefel wieder an, du sollst noch reicher werden. Dem
König hab ich auch gesagt, daß du ein Graf bist."Am andern Tag ging der Kater,
wie er gesagt hatte, wohlgestiefelt
wieder auf die Jagd und brachte dem König einen reichen Fang. So ging es alle
Tage, und der Kater brachte alle Tage Gold heim und ward so beliebt wie einer
bei dem König, daß er aus- und eingehen durfte und im Schloß |
herumstreichen, wo er wollte. Einmal stand der Kater in der Küche des Königs beim Herd und wärmte
sich, da kam der Kutscher und fluchte: "Ich wünsch , der König mit der Prinzessin
wär beim Henker! Ich wollt ins Wirtshaus gehen und einmal trinken und Karten
spielen, da soll ich sie spazierenfahren an den See." Wie der Kater das hörte,
schlich er nach Haus und sagte zu seinem Herrn: "Wenn du willst ein Graf und
reich werden, so komm mit mir hinaus an den See und bad dich darin. Der Müller
wußte nicht, was er dazu sagen sollte, doch folgte er dem Kater, ging
mit ihm und zog sich splitternackend aus und sprang ins
Wasser. |
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Der
Kater aber nahm seine Kleider, trug sie fort und versteckte sie. Kaum war er
damit fertig, da kam der König dahergefahren. Der Kater fing sogleich an, erbärmlich
zu lamentieren: "Ach, allergnädigster König! Mein Herr, der hat sich hier im
See gebadet,
da ist ein Dieb gekommen und hat ihm die Kleider gestohlen, die am Ufer lagen. |
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Nun ist der Herr Graf im Wasser und kann nicht heraus, und wenn er länger darin
bleibt, wird er sich erkälten und sterben." Wie der König das hörte, ließ
er haltmachen, und einer von seinen Leuten mußte zurückjagen und von des
Königs Kleidern holen. Der Herr Graf zog die prächtigsten Kleider an, und weil
ihm ohnehin der König wegen der Rebhühner, die er meinte von ihm empfangen zu
haben, gewogen war, so mußte er sich zu ihm in die Kutsche setzen. Die Prinzessin
war auch nicht bös darüber, denn der Graf war jung und schön, und er gefiel
ihr recht gut.Der Kater aber war vorausgegangen und zu einer großen Wiese gekommen
wo über hundert |
Leute waren und Heu machten. "Wem ist die Wiese, ihr Leute?"
fragte der Kater. "Dem großen Zauberer." "Hört, jetzt wird der König
bald vorbeifahren, wenn der fragt, wem die Wiese gehört, so antwortet: dem Grafen.
Und wenn ihr das nicht tut, so werdet ihr alle totgeschlagen." Darauf
ging der Kater weiter und kam an ein Kornfeld, so groß, daß es niemand
übersehen konnte. Da standen mehr als zweihundert Leute und schnitten das Korn.
"Wem ist das Korn, ihr Leute?" " Dem Zauberer." "Hört, jetzt wird der König
vorbeifahren, wenn er fragt, wem das Korn gehört, so antwortet: dem Grafen.
Und wenn ihr das nicht tut, so werdet ihr alle totgeschlagen." |
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Endlich kam
der Kater an einen prächtigen Wald, da standen mehr als dreihundert Leute, fällten
die großen Eichen und machten Holz. "Wem ist der Wald, ihr Leute?";. "Dem Zauberer."
"Hört, jetzt wird der König vorbeifahren, wenn er fragt, wem der Wald gehört,
so antwortet: dem Grafen. |
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| Und wenn ihr das nicht tut, so werdet ihr alle umgebracht."
Der Kater ging noch weiter. Die Leute sahen ihm alle nach, und weil er so wunderlich
aussah und wie ein Mensch in Stiefeln daherging, fürchteten sie sich vor ihm.
Er kam bald an des. Zauberers Schloß, trat kecklich hinein und vor ihn hin. Der
Zauberer sah ihn verächtlich an und fragte ihn, was er wolle. Der Kater machte
eine Reverenz und sagte: "Ich habe gehört, daß du in jedes Tier nach deinem
Gefallen dich verwandeln könntest. Was einen Hund, Fuchs oder auch Wolf betrifft,
da will ich es wohl |
glauben, aber in einen Elefanten, das scheint mir ganz unmöglich,
und deshalb bin ich gekommen, um mich selbst zu überzeugen." Der Zauberer sagte
stolz: "Das ist mir eine Kleinigkeit", und war in dem Augenblick in einen Elefanten
verwandelt. "Das ist viel, aber auch in einen Löwen?" "Das ist auch nichts",
sagte der Zauberer und stand als Löwe vor dem Kater. Der Kater stellte sich
erschrocken und rief : "Das ist unglaublich und unerhört, dergleichen hätte
ich mir nicht im Traume in die Gedanken kommen lassen. |
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Aber noch mehr als alles andere wäre es, wenn du dich in ein so kleines Tier wie
eine Maus verwandeln könntest. Du kannst gewiß mehr als irgendein Zauberer auf
der Welt, aber das wird dir doch zu hoch sein" Der Zauberer ward ganz freundlich
von den süßen Worten und sagte: "O ja, liebes Kätzchen, das kann ich auch",
und sprang als Maus im Zimmer herum. Der Kater war hinter ihm her, fing die
Maus mit einem Sprung und fraß sie auf. |
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Der König aber war mit dem Grafen und
der Prinzessin weiter spazierengefahren und kam zu der großen Wiese. "Wem
gehört das Heu?" fragte der König. " Dem Herrn Grafen", riefen alle, wie der
Kater ihnen befohlen hatte. "Ihr habt da ein schön Stück Land, Herr Graf ",
sagte er. Danach kamen sie an das große Kornfeld. "Wem gehört das Korn, ihr Leute?"; "Dem Herrn Grafen."; "Ei, Herr Graf
! Große schöne Ländereien!" Darauf zu dem Wald: "Wem gehört das Holz,
ihr Leute?", "Dem Herrn Grafen": Der König verwunderte sich noch
mehr und sagte: "Ihr müßt ein reicher Mann sein, Hern Graf, ich glaube nicht,
daß ich einen so prächtigen Wald habe": |
Endlich kamen sie an das Schloß,
der Kater stand oben an der Treppe, und als der Wagen unten hielt, sprang
er herab, machte die Tür auf und sagte: "Herr König, Ihr gelangt hier in das
Schloß meines Herrn, des Grafen, den diese Ehre für sein Lebtag glücklich machen wird." Der König stieg aus und
verwunderte sich über das prächtige Gebäude, das fast größer und schöner war
als sein Schloß. Der Graf aber führte die Prinzessin hinauf in den Saal,der
ganz von Gold und Edelsteinen flimmerte. Da ward die Prinzessin mit dem Grafen
versprochen, und aIs der König starb, ward er König, der gestiefelte Kater
aber Erster Minister. |
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